Forschungsprofil


  • Blindheitsdiskurse vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart
  • Darstellung von Disability in Literatur und Film
  • Geschichtsnarrationen und Bilderpolitiken in Literatur, Film und Bildender Kunst (Holocaust, RAF, Wende)
  • Intermedialität: Literatur und Film, Literatur und Fotografie, Comics etc.
  • Männlichkeits- und Weiblichkeitsbilder (Carmen, Dandy, die Neue Frau der 1920er Jahre)
  • Gegenwartsliteratur, Pop-Literatur und -Kultur
  • Künstlermythen und -topoi im Künstlerroman des 18. Jahrhunderts bis in die Gegenwart
  • Kultur- und Symbolgeschichte des Ateliers, Künstler- und Autorschaftskonzepte
  • Kultur- und Symbolgeschichte der Mauer
  • Gender Studies

Aktuelle Forschungsprojekte


GrenzErfahrungen: Eine Symbol- und Kulturgeschichte der Mauer

Ziel der Studie ist es, die vielschichtige Symbol- und Kulturgeschichte der Mauer – die teilweise mit der der Bastille vergleichbar ist – in seiner gesamten medialen Breite darzustellen. Denn die Mauer ist und bleibt einer der Erinnerungsorte (Nora) deutscher Geschichte, an den literarische, filmische und künstlerische Projekte bis heute anknüpfen, um entweder alte nationale Narrative zu wiederholen und zu verfestigen oder neuartige Ausdrucksformen und Erinnerungspolitiken herauszubilden. Drei ästhetische Ansätze lassen sich dabei differenzieren: 1) Zum einen der Rückgriff auf eine Ästhetik der Ruine, die sich auf die Vergegenwärtigung von Vergangenem konzentriert, indem sie sich auf Spurensuche begibt und die Mauer in ihren historischen Ausmaße zu fassen versucht. 2) Zum anderen eine kritische Reflexion der unterschiedlichen Blick- und Wahrnehmungsperspektiven auf die Mauer vor und nach dem Mauerfall. Blickverbot (Ost) und Mauertourismus (West) haben Blickverhaltensweisen geprägt, die bis heute prägend sind und einer kritischen Lesweise unterzogen werden müssen. 3) Des Weiteren fällt die Tendenz auf, die Mauer de- oder rekonstruieren zu wollen, wobei die Intentionen ganz unterschiedliche sein können: Geht es einerseits um eine Erinnerung an die Zeit des Eisernen Vorhangs, kann die Rekonstruktion andererseits auch als Denkanstoß fungieren, um eine interkulturelle Perspektive zu provozieren und über andere, noch existierende Mauern in einer scheinbar immer globaler und grenzenloser werdenden Welt (Israel/Palästina, Mexiko/USA, Nord-/Süd-Korea, ‘Festung Europa‘, Gated Communities etc.) nachzudenken. Nicht zuletzt werden in der Studie auch immer wieder genderspezifische Fragestellungen aufgeworfen werden, zumal die ‚Durchdringung‘ und ‚Penetrierung‘ der Mauer häufig als männliche Heldentat imaginiert wird. Grenzverletzungen und -überschreitungen weisen somit immer auch auf bestehende Geschlechtergrenzen und –ordnungen hin.

Eine Literatur- und Ästhetikgeschichte der Blindheit vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart

Das Blindheitsmotiv eröffnet ein breites semantisches und symbolisches Feld, das über die Jahrhunderte hinweg die unterschiedlichsten Kulturschaffenden fasziniert hat. Diese Faszinationsgeschichte bzw. Irritationsgeschichte erstmals über einen größeren historischen Zeitrahmen hinweg nachzuzeichnen, ist Anliegen meines Forschungsprojekts, das die unterschiedlichen Ausformungen und Funktionen von blinden Figuren in Literatur, Theater, Hörspiel, Fotografie, Film und Bildender Kunst ebenso wie in den medizinischen und pädagogischen Diskursen untersucht. Da insbesondere – so eine meiner Hauptannahmen – bei epochalen Umbrüchen, medialen Erneuerungen und technischen Optimierungen auf Figurationen von Blindheit zurückgegriffen wird, ist die Konzentration auf ein breites Text- und Medienkorpus ebenso unerlässlich wie ein exemplarisches Vorgehen. Neben motivgeschichtlichen Aspekten werden dabei insbesondere Fragen der Aisthesis, der Wissenschafts-, Literatur-, Medien- und Kulturgeschichte sowie der Disability und Gender Studies im Vordergrund stehen.
Folgende Fragen werden meine Forschungen leiten: Welche Ängste, Projektionen und Vorstellungen sind mit der Figur des Blinden verbunden? Warum bzw. wann wird Blindheit als Devianz oder auch als Auszeichnung verstanden? Welche Reprä¬sentationen, Codierungen und Ikonographien werden wirksam, verfestigen, verschieben oder verändern sich über die Jahrhunderte? Inwiefern eignen sich blinde Figuren für eine reflexiv werdende Wahrnehmung? Welche ‚blinden Flecken‘ der Wahrnehmung treten dadurch in den jeweiligen Medien hervor? Welche Bedeutung hat das Geschlecht der Blinden? Und nicht zuletzt: Inwiefern hängt eine Ästhetikgeschichte der Blindheit eng mit einer des Sehens zusammen?